SIEBEN - Laden, Café & Herberge

 

Niemals werde ich die Caffés vergessen, wo ich Verliebte im Paradies gesehen, und Hoffnungslose in der Hölle, Musik gehört, die bis heute ertönt,

Engel ertappt, die einer Praline wegen auf die Erde gekommen. Alles zum Preis von Cappuccino und Hörnchen. Stefano Ferrio


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 Liebe Café-Gäste,

 

es ist März geworden. Im Garten, vor meinem Fenster, stieben die Vögel durch das noch kahle Gezweig der Bäume. Sie übertreffen sich an morgendlichem Gesang, wohl als Dankeschön für die reichlichen Futterstellen, die wir für sie über den Winter immer recht üppig gefüllt hatten. Oder sie sind einfach nur auf der Suche nach einem Vogel oder einer Vogelin und ich rede mir das mit dem morgendlichen Gesang für mich nur ein oder schön, oder irgendwie so. 

Apropos „schönreden“: Meine Freunde – und letztens auch meine Tochter – sagen mir häufig, meine Zeilen würden sie hin und wieder und gelinde gesagt etwas betrüblich stimmen und ob denn, nur so zur Abwechslung, nicht mal etwas Aufmunterndes und nur halb so Nachdenkliches ginge!?

Nach erstem, fast schon reflexhaftem Verweigern stimme ich ihnen zu. Ja, versuchen kann ich es ja gerne einmal. Aber, die Crux liegt an und für sich schon darin verborgen, dass ich nun nicht unbedingt eine übersprudelnde Frohnatur bin. Ich würde mich als positiv denkend-realistisch betrachten. Und ich denke nun mal leidenschaftlich gern auf den Dingen herum, auf allen (un-)möglichen Dingen. Im Moment denke ich gerade darüber nach, dass es Frühling wird und dass es mein zweiter Frühling zu Hause ist. Die Wiese ist übervoll mit Schneeglöckchen. Es werden in jedem Jahr mehr, sozusagen ein Meer. Kleine, filigrane, weiße, wogende Kelche, vorsichtig setze ich meine Füße dazwischen, wenn ich das Meer durchquere. Die ersten Boten des nahenden Frühlings hinter der alten Scheune. In meiner Kindheit war es ein einziges kleines Büschel, versteckt unter einem Forsythie-Busch. Ich kroch jedes Jahr darunter, um zu schauen, ob denn die zarten grünen Triebe schon die Erde durchbrochen hätten. Es ist eine meiner, im Rückblick fast als Ritual zu bezeichnenden, Kindheitserinnerungen. Das ist lange her und doch erinnert es sich so, als ob ich erst vor wenigen Tagen zum letzten Mal durch die herabhängenden Zweige gekrochen wäre.

Der Frühling symbolisiert für viele von uns einen Lichtblick nach langen, dunklen Wintermonaten.

Er bedeutet vielleicht auch einen Lichtblick hinsichtlich des Stillstandes, in dem sich unser Café seit über vier Monaten befindet. Manchmal, wenn die Sonne schon etwas höher steht, reiße ich im Haus Türen und Fenster auf, um das Kalte und Klamme, was in den Mauern festzuhängen scheint, hinaus zu lüften. Nach mehrmonatigem – im endlosen Strom der noch endloseren Zeit – Treibenlassen planen wir wieder. Wir planen im Augenblick noch ins Frühlings-Blaue hinein, ohne ein konkretes Ziel vor Augen zu haben. Manchmal sprechen mich in der Stadt Menschen an, um mir zu sagen, dass sie uns vermissen. Das ist ein gutes Gefühl. Es trägt. Ich überlege derweil, ob ich das Backen vielleicht verlernt habe und wie mir nach dieser Zeit mein erster Crêpe wohl gelingen mag. Man würde das nicht verlernen, so wie Fahrradfahren, wenn man es einmal kann. Und beim Radfahren kommt es ja auch immer darauf an, die Balance zu halten. Dann gelingt alles andere nahezu spielend, so fast ein bisschen von allein. So wie im Leben. Manchmal geht es bergauf, dann unverhofft bergab. Manchmal rollen wir mit Rückenwind, geradezu beflügelt. Manchmal müssen wir abbremsen, so wie in den vergangenen Monaten. Wenn es gelingt, können wir es als (wenn auch ungewollte) Pause ansehen, zum Landschaft-Betrachten und zum Überdenken, wohin unsere Reise gehen soll. Dinge, die man aus einer Position der Ruhe betrachtet, sieht man allemal klarer. 

In diesem Sinne, kommen Sie gut in den Frühling.


Auf – in ganz bestimmt absehbarer Zeit – Schokolade & Kuchen, Hauslimonade & Crêpes, hoffentlich ungefilterte Gespräche und das Kratzen der Stühle auf dem Fliesenboden, auf das Klirren der Kaffeetassen und das laute Rasseln, wenn die Kaffeemühlen wieder zum Leben erwachen.

Auf das Leben & auf bald!

 

 

Nur einmal so

 

Es ist ja nur der Wind, der geht,

Der Wasserwind vom Februar,

Der nach dem Schnee dem Regen weht.

Der Winter, der kaum Winter war,

Zersetzt sich langsam. Unterm Grau

Der Wiesen ist schon Grün zu sehn.

Und manchmal riecht es wie nach Tau.

Und so, als soll bald was geschehn.

Und wieder weiß man nicht, was wird?

Man weiß nur: es wird anders sein.

Wer meint: das wiederholt sich, irrt:

Nur einmal so fällt Frühling ein.

 

Eva Strittmatter

 

 


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