SIEBEN - Laden, Café & Herberge

 

Niemals werde ich die Caffés vergessen, wo ich Verliebte im Paradies gesehen, und Hoffnungslose in der Hölle, Musik gehört, die bis heute ertönt, Engel ertappt, die einer Praline wegen auf die Erde gekommen. Alles zum Preis von Cappuccino und Hörnchen. 

Stefano Ferrio


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Mitte Mai, die Pfingstrosen beginnen zu blühen. Ihnen hat der Spätfrost, diese eine, klirrend kalte Nacht, zu einer Zeit, als keiner von uns mehr damit gerechnet hatte, nichts anhaben können. Grüne Kugeln auf stolzen Stielen, dann ein feiner Streifen im tiefgrünen Mantel, hellrosa, prahlerisches Violett, Telekom-Magenta. Darunter unzählige Büsche Frauenmantel, die sich seit Jahren über den ganzen Garten verbreiten. Immer weiter. Ich finde sie an jeglichen freien Stellen im Beet und zwischen den alten Flusskiesel-Pflastersteinen. Die Natur explodiert förmlich und wenn ich eines freien Mittags, mit Gummistiefeln an den Füßen und der Hacke in der Hand, um die Ecke biege, sind die Pfingstrosen - kurz vor Pfingsten - aufgeblüht.

 

Der Jahresrhythmus ist eine feste Konstante in meinem Leben. Er ist immer noch, trotz Klima, einer, für mein Gefühl, aus dem Ruder geratenen, viel zu lauten Welt und neben anderen, gewissen Unberechenbarkeiten, recht zuverlässig. Jedenfalls in seinen Grundzügen. Dem Winter folgt der Frühling, folgt der Sommer, folgt der Herbst. Dann beginnt das Ganze von vorn.

Hier im Garten gibt es jetzt jeden Morgen ein Vogelkonzert der Extraklasse. Es tönt ab vier Uhr in der Früh, erst verhalten, einzelne Stimmen, in die in den nächsten zwei Stunden hunderte einstimmen. Dann kehrt, bevor der Tag beginnt, noch einmal Ruhe ein. Erste vorüberfahrende Autos vorn an der Straße. Kurz streifen sie unsere leergezogene Innenstadt und fahren über die Stadtgrenzen hinaus, um vielleicht am Abend zurückzukehren.

 

In der Stadt ist es ein bisschen wie in der Echtzeit-Politik. Die Ränder blühen in jeglichen Farben. (und in vielerlei Hinsicht) Die Mitte ist gähnend leer und ausgestorben und sie verspricht mehr als eine Weile schon nicht mehr das, was wir von ihr erwarten. Diese Woche Montag, also vorgestern, eine Frau im Café, Mittag - ich habe gerade eben die Tür aufgeschlossen. Die Frau erkenne ich nach kurzer Zeit an ihrer Stimme wieder. Es ist anderthalb Jahrzehnte her. Eine von hier, die lange weg ist und die ab und an hierher zurückkommt um wieder fortzugehen.                                                                

Sie erzählt mir, dass sie niemandem auf der Straße begegnet ist, keinem Menschen, keinem Auto. Nicht mal streunenden Katzen, die auf leisen Pfoten um die nächste Häuserecke biegen und verschwinden.

 

Ein weites Feld, das man mit einem Streifzug nicht bestellen kann...

 

Die einzigen Wohnungen, die sich innerstädtisch gerade gut vermieten,
sind die Mauerseglerkästen oben unter dem Dach der Peterskirche. Aus ihnen pfeifen die Sperlinge Wir sind schon da, während die Mauersegler gerade vergeblich auf ihren Einzug warten und daher weiterhin mit lautem Pfeifen, in akrobatisch anmutendem Flug, am Morgen, am Mittag und am Abend über das Hausdach hinweg, über den Innenhof des Cafés, um die Stützpfeiler der alten Kirche fliegen. Auch das ist Beständigkeit, Jahr für Jahr.

 

 

In diesem Sinne wünschen wir nun doch schon wieder letzte gute Tage im Mai.